Perforiertes Ascendens-Karzinom

Ein Blick auf die Appendektomienarbe im rechten Unterbauch konnte die Appendizitis ausschließen. Auf meine Nachfrage ob der Blinddarm den noch drin sei, antwortete die Dame mit wieder erwecktem badischem Lebensgeist "Nää, dä is haus'". Das stand im Widerspruch zu den fremdanamnestischen Angaben der Kinder. Die Operation fand in Kindertagen "noch vor dem Krieg" statt. 

Aber auch der sonografische Befund paßt so gar nicht zu einer Appendizitis. Zwar findet sich eine Wandverdickung, aber die wirkt knotig und im rechten Colon lokalisiert. Vereinzelt finden sich Lufthauben als Zeichen der gedeckten Perforation. Etwas dorsal fand sich eine umschriebene Raumforderung, die zu einem Abszess hätte passen können. Nach Kontrastmittelgabe beweist die Anflutung von Mikrobläschen das Vorliegen vitalen Gewebes. Somit steht die Diagnose eines gedeckt perforierten Colonkarzinoms, nebenbefundlich Appendektomie vor 80 Jahren.

 

Mit diesem Befund konfrontiert, korrigierten auch die radiologischen Kollegen die Interpretation ihrer Diagnostik. Ihr Nachteil - sie sehen den Patienten nicht.

 

Einer Operation war die Patientin trotzdem nicht zugänglich, unter konservativer Therapie besserte sich das Befinden rasch, noch in der selben Woche wurde sie beschwerdefrei entlassen.